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Berlin – damals und heute: Alexanderplatz

Berlin – eine Weltmetropole, die sich aus vielfältigen Bezirken mit jeweils individuellem Charakter zusammensetzt und dabei mehrere kleine Zentren vorzuweisen hat. Wenn man allerdings von dem zentralen Ort und Verkehrsknotenpunkt sprechen möchte, dann kann es sich dabei nur um Europas viertbelebtesten Platz handeln: den Alexanderplatz. Seit über einem halben Jahrhundert täglich in den Bezirken, Straßen, Grünanlagen und Häusern Berlins unterwegs, wirft RUWE einen genauen Blick auf die verschiedenen Viertel und ihren Wandel im Lauf der Zeit. Im Folgenden stellen wir Ihnen den Standort der Weltzeituhr und des Fernsehturms vor: den Alexanderplatz, auf dem sich täglich 360.000 Menschen tummeln.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis Königs Thor Platz (1648–1805)

Als nach dem Dreißigjährigen Krieg die Berliner Stadtmauer verstärkt wurde, schlossen die Berliner auch diverse frühere Tore. Dadurch rückte das damalige Georgentor, welches sich ungefähr an der Stelle des heutigen Alexanderplatzes befand, mehr und mehr in den Fokus: Dort etablierte sich ein Vieh- und ein Wochenmarkt, und mit 600 bis 700 ansässigen Familien entwickelte sich die Georgenvorstadt. 1701 wurde das Georgentor dann in Königstor umbenannt, nachdem Friedrich I. nach seiner Krönung feierlich durch eben dieses Tor in Berlin einzog. Der angrenzende Platz hieß von nun an Königs Thor Platz. Während der südliche Teil des zukünftigen Alexanderplatzes durch Bäume vom Verkehr abgeschnitten war und für Paraden in Anspruch genommen wurde, befand sich im Norden weiterhin der Markt – ab Mitte des 18. Jahrhunderts Austragungsort Deutschlands wichtigster Wollmesse. Aber auch bedeutende Persönlichkeiten verkehrten hier: namentlich etwa Gotthold Ephraim Lessing, der von 1752 bis 1755 direkt am "Alex„ ein Haus bezog oder Heinrich von Kleist, der die letzten Tage bis zu seinem Tod am 21. November 1811 im einst berühmten Gasthof "Zum Hirschen" weilte. Letzterer musste schließlich im Jahre 1927 für den U-Bahn-Bau Platz machen.

Alexanderplatz 1796, Kupferstich von F. A. Calau

 

Die finale Umbenennung (1805–1847)

Doch wie kam der Alexanderplatz zu seinem heutigen Namen? Als der russische Zar Alexander I. am 25. Oktober 1805 auf dem Paradeplatz vor dem alten Königstor empfangen wurde, ließ sich der damalige König Friedrich Wilhelm III. zu jener Namensänderung hinreißen. Schon seinerzeit wuchs die Bedeutung des Platzes als Verkehrsknotenpunkt: 1847 trabten Pferdeomnibusse viermal die Stunde zum Potsdamer Platz.

Von Viergeschosser bis Stadtbahn (1848–1900)

Zugleich wuchs die Königsstadt (früher Georgenvorstadt). Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden dort die ersten vierstöckigen Gebäude, der einstige Festungsgraben wurde 1870 zugeschüttet und darauf die Berliner Stadtbahn errichtet, die zwölf Jahre später in Betrieb ging. In der gleichen Zeit entstanden zudem unter anderem das Grand Hotel und das Polizeipräsidium (die beide im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und abgerissen wurden) sowie das Amtsgericht und die Zentralmarkthalle, deren Eröffnung den Wochenmarkt ersetzte. Dies machte Platz für den steigenden Individualverkehr im Norden sowie die von Gartendirektor Hermann Mächtig initiierte gärtnerische Prägung des einstigen Paradeplatzes im Süden.

Hochkonjunktur und Verkehrschaos (1900–1940)

Durch diverse Kaufleute und die Funktion als Verkehrsknotenpunkt gewann der Alexanderplatz mehr und mehr an Bedeutung. So entstand etwa das Warenhaus Tietz – mit 7.300 Quadratmetern und 250 Metern Länge die seinerzeit längste Kaufhausfassade der Welt. Darüber hinaus zeugten drei U-Bahnlinien, Fern-und Omnibusse und ab 1898 elektrische Straßenbahnen nicht nur von einer großen Umtriebigkeit, sondern brachten den „Alex“ schier zum Überlaufen, weshalb der damalige Baustadtrat Martin Wagner eine Umgestaltung anriet. Auf Grundlage der Entwürfe von Peter Behrens entstanden um 1930 Alexander-und Berolinahaus parallel zur neuen Stadtbahn. Doch die Weltwirtschaftskrise ließ keine weiteren Bauten und Umgestaltungen zu. So blieb er mit täglich ca. 35.000 Fahrzeugen zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele 1936 Berlins verkehrsreichster Platz.

Der zerstörte Alexanderplatz mit dem Berolinahaus während des Wiederaufbaus, 1950 (Bundesarchiv: Bild 183-08424-0001)

CC-BY-SA 3.0

 

Zerstörung und Wiederaufbau (1940–1958)

Der Zweite Weltkrieg erreichte auch das Zentrum Berlins: Im April 1945 fielen erhebliche Teile der Gebäudekomplexe am Alexanderplatz unter den Geschossen der Roten Armee in sich zusammen. Nach Kriegsende nahmen die Berliner die Zerstörung zum Anlass für eine Umstrukturierung: Der Wiederaufbau sollte den steigenden Kraftfahrzeugverkehr unterstützen, wobei eine konsequente Umsetzung an der jähen Teilung Berlins scheiterte. Zugleich schossen für die zerbombten Wohn- und Handelshäuser zahlreiche neue Plattenbauten in die Höhe.

Weltzeituhr und Fernsehturm am Alexanderplatz sind beliebte Treffpunkte am Alexanderplatz.

CC0

 

Weltzeituhr und Fernsehturm (1958–1969)

Im Zuge des V. Parteitages der SED 1958 beschloss Berlin eine allumfassende Loslösung des Alexanderplatzes vom Verkehr, wodurch die Aufenthaltsqualität angehoben werden sollte. Das städtische Umfeld wurde abgekoppelt und eine riesige Fläche errichtet, auf der etwa das Centrum-Warenhaus, das Interhotel, das Haus des Berliner Verlages sowie Erich Johns Urania-Weltzeituhr errichtet wurden. Mit Beendigung der sozialistischen Stadtplanung hatte sich der Platz mit 80.000 qm seit dem Zweiten Weltkrieg fast vervierfacht und zu einem beliebten Treffpunkt von Touristen und Berlinern entwickelt. Wichtige Kundgebungen, die jährlichen Paraden zur Feier der Gründung der DDR sowie der 1969 fertiggestellte Fernsehturm – der damals zweithöchste Fernsehturm der Welt – trieben die Bedeutung des "Alex" nach dem Krieg weiter in die Höhe.

Nach der Wende (1990–heute)

Mit dem Mauerfall bröckelte auch die sozialistische Denkweise, wodurch in der Stadtplanung ein frischer Wind Einzug hielt. Wobei, nicht in allen Punkten: Zog doch der berühmte Architekt Hans Kohlhoff für seine geplanten zehn 150 Meter hohen Türme mit 42 Geschossen die alten Entwürfe von Peter Behrens zu Rate –eine Fertigstellung lässt noch auf sich warten. Hingegen wurde 2001 das Multiplexkino „CUBIX“ vollendet, 2004 das Centrum Warenhaus (heute Galeria Kaufhof) erweitert, 2007 das riesige Einkaufszentrum Alexa eröffnet und 2014 die Bauten am Wohn- und Geschäftshaus Alea 101 beendet.

Hier pulsiert das Leben

Der Alexanderplatz in Berlin: Damals wie heute Dreh- und Angelpunkt für Geschäfte und beliebte Anlaufstelle – für Berliner ebenso wie für Touristen. Auch die über 500 Mitarbeiter von RUWE ziehen am Alex ihre Kreise und sind jeden Tag aufs Neue fasziniert von der sich ständig wandelnden Stadt Berlin. Unser Herz schlägt für alle Bezirke. Freuen Sie sich auf unseren nächsten Journal-Beitrag aus der Serie „Berlin – damals und heute“!