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Die gelbe Villa und RUWE

Die gelbe Villa ist ein außergewöhnliches Kreativ- und Bildungszentrum für Kinder und Jugendliche in Berlin, wo kreative Erfahrungsräume, Potenziale, Selbstvertrauen und Zukunftschancen junger Menschen frühzeitig und nachhaltig gefördert werden.

Für Vanessa und Jasmin ist die gelbe Villa das Größte. Auf ihrem Berlin-Panorama, das im Kunstatelier der gelben Villa entstand, überragt ihr Lieblingsort sowohl den Fernseh- als auch den Funkturm, das Rote Rathaus und sogar das Brandenburger Tor.

Wer den beiden Mädchen nicht glaubt, der hat sich am vergangenen Dienstag in der gelben Villa davon überzeugen können, dass die beiden jungen Künstlerinnen keineswegs übertrieben haben. Am Nachmittag hat hier die diesjährige Weihnachtsfeier stattgefunden, und die Kinder haben zur Abwechslung mal die Erwachsenen beschenkt. Die gelbe Villa ist halt nicht nur das bedeutendste Gebäude Berlins für Vanessa und Jasmin, hier ist auch vieles anders. Zur Weihnachtsfeier hatte man alle Türen aufgeschlossen und das großartige Angebot in voller Vielfalt präsentiert: Alle Werkstätten und Ateliers luden zum Schauen ein, und die Kinder führten vor, was dort alles entstanden war.

Im Veranstaltungsraum wurde die Bühne aufgebaut, auf der die verschiedenen Bands der Villa auftraten. Durch das Programm führte nicht – wie der geneigte Leser nach herkömmlichen Erwartungen hätte annehmen können – der Weihnachtsmann, sondern Klaus Dieter Tschäpe. Der unterscheidet sich vom Weihnachtsmann vor allem dadurch, dass er nicht nur einmal im Jahr kommt, um Kindern Freude zu bereiten. Klaus Dieter Tschäpe bereitet das gesamte Jahr über Freude, denn ohne die Unterstützung durch sein Unternehmen RUWE könnten nachmittags in den Werkstätten weder die Nähmaschinen rattern noch Sägen kreischen. Das Nachmittagsangebot der gelben Villa ist allein Dank dieser einzigartigen Unterstützung möglich.

Viele Mädchen drängen sich um die Kurse im Modeatelier, lernen sie doch hier, ihre eigene Kleidung ganz nach ihren Ideen und ihrem individuellen Geschmack herzustellen. Einmal funkelten und glitzerten die Kleider sogar mehr als auf jedem arabischen Basar, denn in die Stoffe wurden elektronische Bauteile eingearbeitet. Ella ist erst zehn Jahre alt, aber sie hat in dem Atelier bereits einen musizierenden großen Kuschelhasen erschaffen. Es ist in seiner Art vermutlich der erste auf der ganzen Welt: In einer gewagten Operation hat sie den Bauch aufgetrennt, darin einen Musikcomputer mit Lautsprechern untergebracht und schließlich einen Reißverschluss eingelötet.

Als der Kuschelhase aus der Narkose erwachte, konnte er musizieren wie eine Popband. In der Holzwerkstatt schmiedet derweil der gleichaltrige Erik ganz große Pläne. Ihm ist der tägliche Schulweg von drei Kilometern zu weit. Die Idee, ein Skateboard mit Antrieb zu bauen, lässt ihm keine Ruhe mehr. Einen Arbeitsplatz weiter hofft Chioma, in der Holzwerkstatt einen Ort gefunden zu haben, wo sie in Ruhe ihr Segelboot bauen kann. Zu Hause, wo sie sich im Hof des Miethauses einen kleinen Garten angelegt hat, haben andere Kinder immer wieder bereits fertiggestellte Baugruppen mutwillig zerstört.

Das ist Sinn und Zweck der gelben Villa. „Wir wollen Kindern einen geschützten Raum bieten, wo sie ihre Kreativität entfalten können“, sagt Mitarbeiterin Monika Ruth. Entstanden ist nicht nur ein Refugium für Kreativität, Spiel, Freude und Sport, sondern ein Kinderparadies. Zu den zahlreichen Werkstätten für Kunst, Keramikarbeiten, Fahrradreparatur, Siebdruck, dem Foto- und Chemielabor, kommen noch der Computer-, Tanz-, Sport- und der Hausaufgabenraum sowie der märchenhaft eingerichtete Snoezelraum, wo die Kinder im Wasserklangbett, einer Kissenlandschaft und einem Himmelbett Tiefenentspannung finden und sich ganz ihren Träumen hingeben können.

Im Garten ist Platz für Spiele und Sport, für Theateraufführungen und für den Anbau von Gemüse und Kräutern. Die werden für das Restaurant und die Kochkurse benötigt. Mit einem Euro für ein Drei-Gänge-Menü im Kinderrestaurant ist das Angebot in Berlin tatsächlich konkurrenzlos. Gut, dass Erwachsene hier nur in Begleitung von Kindern Zutritt haben.

Wenn Vanessa und Jasmin ihre gelbe Villa gegenüber den bekannten Wahrzeichen Berlins erhöhen, haben sie gar nicht so unrecht. Die gelbe Villa befindet sich auf der Kreuzberger Wilhelmshöhe direkt am Viktoriapark und überragt die umliegenden Häuser. Dank der Hamburger Stiftung Jovita steht sie mit einem wachsenden Angebot seit März 2004 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 16 Jahren in dem nicht ganz unproblematischen Berliner Bezirk als kreatives Bildungszentrum zur Verfügung. Die Projekte in der gelben Villa sind wirklich vielfältig. Dazu gehören die Beschäftigung mit Kunst, aber ebenso auch die Berufsorientierung und die Sprachförderung. Vormittags finden Projektwochen für Schulklassen und nachmittags die freien Angebote für alle jungen Interessenten statt. Täglich kommen etwa 120 Kinder, in den Ferien steigert sich der tägliche Besuch auf bis zu 200 Kinder.

Die Stiftung hat den Aufbau und die Einrichtung der gelben Villa finanziert und trägt die Lohnkosten für die festangestellten Mitarbeiter. Alle anderen Aufwendungen müssen aus Spenden eingeworben werden. „Das Unternehmen RUWE ist dabei einer unserer wichtigsten Unterstützer. Nur dank dieser Hilfe ist es uns möglich, mit langfristiger Perspektive das freie Angebot im Nachmittagsprogramm zu bestreiten“, sagt Monika Ruth. „Die Weihnachtsfeier ist die Gelegenheit, dem Unternehmer Klaus Dieter Tschäpe in einem Wort all das zu sagen, was wir auf dem Herzen haben: Danke, RUWE!“