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Gärten, die die Welt bedeuten

Die Internationale Gartenausstellung schlägt 2017 Wurzeln im Erholungspark Marzahn – eine über 100 Hektar große Gartenanlage, deren „Gärten der Welt“ ganz im Stile anderer Kulturen erblühen.

Beton wird Grün

Marzahn. Wer nicht in Berlin oder im Westteil der Landeshauptstadt ansässig ist, verbindet die größte Wohnsiedlung auf dem ehemaligen Gebiet der DDR womöglich mit kilometerlangen Plattenbauten. Dass dieses Bild längst nicht mehr den Tatsachen entspricht, dafür sorgt unter anderem der weitreichende Erholungspark Marzahn – auch bekannt unter dem poetischen Namen „Gärten der Welt“. 1987 im geteilten Berlin zur 750-Jahr-Feier der Stadt eingeweiht, entstanden dort im Laufe der Jahre beispielsweise der Chinesische, der Orientalische oder der Christliche Garten, die in der Tradition ihrer jeweiligen Heimat erblühen.

IGA 2017 in Marzahn

Einen weiteren grünen Wachstumsschub und noch mehr Aufmerksamkeit erhält Marzahn in diesem Jahr - durch die Internationale Gartenausstellung 2017 (kurz: IGA 2017). Unter der Führung der besten Landschaftsarchitekten aus fünf Kontinenten erfuhr das Gesamtkunstwerk „Gärten der Welt“ mit inzwischen über 40 Hektar eine Verdopplung seiner Ausstellungsfläche, wobei die einzelnen Gärten erweitert wurden und der Englische Garten als komplett neue Anlage hinzukam. Der perfekte Zeitpunkt für das RUWE Journal, einige der landschaftlichen Errungenschaften des Erholungsparks Marzahn genauer unter die Lupe zu nehmen.

Japanischer Garten

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Chinesischer Garten – Garten des wiedergewonnenen Mondes

Die Städtepartnerschaft Berlin-Peking trug rund um die Jahrtausendwende ganz besondere Früchte: Berlin erhielt als Geschenk den Plan für den „Garten des wiedergewonnenen Mondes“. Er gilt mit seinen 2,7 Hektar als größter Chinesischer Garten Europas und symbolisiert die Wiedervereinigung, denn der Mond verkörpert bei den altchinesischen Gelehrten die vollendete Harmonie und Einheit der Welt. Hier kommt die typische südchinesische Baukunst in Form von schlichten Materialien wie urwüchsigem Naturstein, Holz und Mauerwerk zum Tragen – farblich insgesamt eher dezent gehalten, mit Tupfern von leuchtendem Rot. Pavillons, kleine Gärten, Quellen, Brücken, Wasserfälle, ein 4500 Quadratmeter großer See sowie ein Teehaus inklusive chinesischer Teezeremonie machen den Besuch zu einem authentischen asiatischen Erlebnis.

Traumhafte Idylle im eigenen Garten

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Japanischer Garten – Garten des zusammenfließenden Wassers

Auch der Japanische Garten verspricht fernöstliche Wohlfühlatmosphäre. Er wurde von einem Tokioter Gartenarchitekten und Zen-Priester erschaffen und soll die Seele der Dinge und die Reife des Alters erkennen lassen – ganz im Zeichen des friedlichen Miteinanders der Menschen. Aber nicht nur Geist und Garten fließen hier zusammen, sondern am Ende eines verschlungenen Pfades auch ein kleiner Wasserlauf mit einer der Wasserfläche nachempfundenen Steinsetzung.

Balinesischer Garten – Garten der drei Harmonien

Entstanden im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Jakarta, soll dieser Garten die Harmonie in allen Lebensbereichen als höchstes Gut balinesischer Kultur widerspiegeln. Der balinesische Mensch strebt nach einem Leben im Einklang mit sich selbst und seinem Umfeld, was in einem Gewächshaus gärtnerische Umsetzung findet. Dort findet sich andeutungshalber ein traditioneller balinesischer Wohnkomplex, umgeben von einer tropischen Pflanzenwelt. Tempelschreine, Nutzgärten, Wohngebäude und dahinter – wie auf Bali selbst – der Urwald.

Im Rahmen der IGA 2017 wurde das Gewächshaus zu einer energieeffizienten Tropenhalle ausgebaut, die, gänzlich ohne Heizung auskommend, von 45 Grad warmem Wasser durchflossen wird und ganzjährig sommerliche 24 Grad aufrechterhält.

Italienischer Renaissancegarten – Giardino della Bobolina

Klare Formen, eine Reduzierung der Stilmittel sowie die überschaubare Größe sind die relevanten Erkennungsmerkmale des italienischen Renaissancegartens. Etwas versteckt hinter immergrünem Gehölz, ist er nicht ganz einfach zu finden und wahrt damit einen besonderen Zauber. Hat man hinter schmalen Pfaden das schmiedeeiserne Eingangstor gefunden, zeigen eine Loggia, formale Blumenbeete, reichlich Skulpturenschmuck und in der Mitte der Anlage ein steinerner Brunnen die frühe europäische Gartenkunst von ihrer besten Seite.

Chinesischer Garten

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Christlicher Garten – Raum der Sprache und des Wortes

Die quadratisch angelegte Gartenfläche dieses „modernen“ christlichen Klostergartens umfasst ein Wegekreuz aus hellem Kies, Pflanzflächen aus Buchs, weiße Stauden und ein Wasserbecken als Symbol für das Wasser als Quelle allen Lebens. Die größte Aufmerksamkeit gilt allerdings dem Wandelgang aus goldfarben lackierten und horizontal angeordneten Metallzeilen, in denen Texte aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus Kultur und Philosophie verarbeitet sind. Das Christentum ist eine Religion der Bücher und der Schrift, was im Christlichen Garten eine architektonisch besonders wertvolle Ehrung erfuhr.

Was es sonst zu entdecken gibt

Auch außerhalb der Gärten der Welt hat der Erholungspark Marzahn einiges zu bieten. Gerade Kinder erfreuen sich an den 1225 Eiben in einem Irrgarten oder wandeln im Rhododendronhain mit großen Augen vorbei an Märchenfiguren aus zwölf verschiedenen Märchen von Andersen und den Gebrüdern Grimm. Ein Blumentheater, eine Findlingsgalerie, ein Wasserweg mit siebzehn sprudelnden Brunnen, Tonkugeln und Mühlsteine, die atemberaubende Aussicht auf dem Marzahner Ausguck sowie nicht zuletzt die Erweiterungen im Zuge der IGA 2017 runden dieses gärtnerische Erlebnis ab.

Christlicher Garten

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Zauber im eigenen Garten – mit den RUWE Grünpflegeprofis

Falls demnächst auch Ihr eigener Garten im Stile anderer Kulturen erblühen oder ganz generell einen neuen Zauber erfahren soll, dann stehen Ihnen unsere Grünpflegeprofis von RUWE gern zur Seite. Wir hoffen, dass Ihnen unsere kleine Tour durch den Marzahner Erholungspark gefallen hat und wünschen viel Spaß beim Erkunden auf eigene Faust. Freuen Sie sich schon auf baldige weitere Tipps zur Berliner Parklandschaft.