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Grünes Berlin: Der Viktoriapark

Denken wir an Kreuzberg, dann denken wir an kulturelle Vielfalt, hippe Kieze und lange Kreuzberger Nächte. Für seine Grünanlagen ist der Bezirk eigentlich nicht positiv bekannt. Eigentlich! Denn der Viktoriapark ist eine grüne Oase inmitten des Großstadttrubels. Ein Ort mit einer spannenden Geschichte, verwunschen Ecken und romantischen Schauplätzen.

Berlins grüne Lungen

Berlin ist eine der abwechslungsreichsten Metropolen Europas. Das beweisen unter anderem die vielen Millionen Besucher, die Jahr für Jahr in die Stadt strömen. Was die meisten jedoch nicht wissen: Berlin ist nicht nur eine der vielseitigsten, sondern auch mit Abstand die grünste Hauptstadt Europas. Eine halbe Millionen Bäume, zahlreiche große Parks und öffentliche Gärten leisten hierzu ihren Beitrag. Einer von ihnen ist der Viktoriapark in Kreuzberg. Ein Park mit einem königlichen Namen, einem rauschenden Wasserfall und echten Kreuzberger Nächten. Durch die jahrzehntelange Tätigkeit in professioneller Grün- und Landschaftspflege besitzen wir bei RUWE eine große Leidenschaft für die Grünanlagen Berlins. In der Journal-Serie „Grünes Berlin“ werfen wir daher einen Blick auf die Parks und Gärten unserer Hauptstadt. Folgen Sie unseren Spuren, erfahren Sie Interessantes über die grünen Lungen Berlins und finden Sie heraus, wo sich die besten Plätze verstecken.

"Viktoriapark" (flickr.com) von conticium. Vielen Berlinern ist gar nicht bewusst, wie grün die Hauptstadt tatsächlich ist.

CC BY-SA 2.0

 

Ein edler Tropfen mitten aus Kreuzberg

Bevor der Kreuzberg seinen heutigen Namen erhielt, hieß er Tempelhofer Berg. Hörte aber auch auf den Rufnamen Sandberg oder Runder Weinberg. Letzteren erhielt er, weil ab dem 15. Jahrhundert an den Hängen des Bergs tatsächlich Wein angebaut wurde. Ein eisiger Winter im 18. Jahrhundert raffte die Vegetation dahin und der Weinanbau wurde eingestellt. Erst rund 200 Jahre später wurde die Weinherstellung in dieser Region wieder aufgenommen. Aus ca. 800 kg geernteten Trauben können gerade einmal 700 Flaschen Wein gekeltert werden. Wer nun hofft, den edlen Tropfen käuflich erwerben zu können, wird enttäuscht. Das Bezirksamt verschenkt die Flaschen des herben Weins ausschließlich an ausgewählte Genießer.

So kam der Viktoriapark zu seinem Namen

Die Entscheidung einen Park am 66 Meter hohen Kreuzberg anzulegen, fiel im Jahr 1888. Damals war Friedrich III. Kaiser des Deutschen Reiches geworden. Trotz einer weit vorangeschrittenen Kehlkopfkrebserkrankung, nahm er die Regentschaft an. Das Glück ruhte jedoch nicht auf seiner Seite, nach 99 Tagen im Amt starb der Monarch aus dem Hause Hohenzollern. Seine kurze Amtszeit brachte ihm den Beinamen 99-Tage-Kaiser ein. Er hinterließ seine Gemahlin Viktoria, eine Tochter der legendären englischen Queen Victoria. In Gedenken an die Kaiserin erhielt das neue Grünanlagenprojekt ihren Namen.

"Selbstbedienung - gilt auch für Spatzen im Biergarten" (flickr.com) von unterwegs_in_berlin. Das ist der Biergarten Golgatha.

CC BY-ND 2.0

 

Liegewiesen, Biergarten und Wolfsschlucht

Lange Zeit war der Viktoriapark die einzige Parkanlage mit weitreichenden Liegewiesen in der näheren Umgebung. Vor allem am Wochenende strömten die Bewohner der umliegenden Wohnsiedlungen in den Park – hungrig nach Erholung vom Großstadtleben. Mit dem Park am Gleisdreieck und dem Tempelhofer Feld kamen in der jüngsten Vergangenheit weitere Parkanlagen hinzu, doch der Beliebtheit des Viktoriaparks tat das keinen Abbruch. Der plätschernde Wasserfall, das historische Denkmal und nicht zuletzt der beliebte Biergarten Golgatha, machen den Park zu etwas ganz Besonderen. Der Biergarten lädt von früh, bis spät in die Nacht zu kühlen Getränken und leckeren Snacks ein und ein DJ am Abend läutet die berühmten Kreuzberger Nächte ein. Eröffnet wurde die Lokalität 1977. Seine wildesten Zeiten hatte der Biergarten in den 70er- und 80er-Jahren. Nicht selten wurde auch Werktags bis 5 Uhr Nachts ausgeschenkt und gefeiert. Wer Ruhe sucht, wagt einen Spaziergang zur abgeschiedenen Wolfsschlucht. Ein Tümpel stellt den Mittelpunkt dar, in den drei Quellen gemächlich hinein plätschern. Eine steile Felswand macht dieses Kleinod perfekt!

"Kreuzberg waterfall" (flickr.com) von Pascal Volk. Am Ufer des Wasserfalls hat man einen tollen Blick auf das Denkmal.

CC BY-SA 2.0

 

Ein Meisterwerk der Neugotik

Mittelpunkt des heutigen Viktoriaparks ist das Nationaldenkmal der Befreiungskriege gegen den berühmt berüchtigten Napoleon Bonaparte. Der Hügel sollte den militärischen Truppen von Napoleon standhalten, doch dieser schaffte es bekanntlich nicht über Großbeeren hinaus. Das Projekt im neugotischen Baustil setzten die Architekten Karl Friedrich Schinkel und Johann Heinrich Strack um. Vorerst war eine opulente Kathedrale geplant, die jedoch aus Budgetgründen nicht umgesetzt wurde. Stattdessen entschied man sich für eine 20 Meter hohe neugotische Spitze. Zum damaligen Zeitpunkt hieß der heutige Kreuzberg noch Tempelhofer Berg, auf ihm wurde im September 1818 von Friedrich Wilhelm III. der Grundstein gelegt. Knapp drei Jahre später, feierte das Monument seine Enthüllung und im gleichen Zuge fand die Umbenennung des Tempelhofer Berges statt. Zur damaligen Zeit stand das Denkmal in einem sandigen Areal und galt lange als höchste Erhebung in der Umgebung. Nachdem immer mehr Wohnhäuser um den Kreuzberg entstanden, entschied man sich das Monument auf einen 8 Meter hohen Sockel zu hieven, damit es weiterhin auch aus der Ferne zu sehen ist. Das Denkmal der Gefallenen zieht seit vielen Jahren Touristen und Spaziergänger an. Um zum Denkmal zu gelangen, muss man den Aufstieg über verschlungene Pfade wagen. Belohnt wird man mit einem sagenhaften Ausblick über Kreuzberg. Es ist der ideale Punkt, um dem Plätschern des Wassers zu lauschen und das Rascheln der Blätter zu genießen.

"Tatsächlich Berlin" (flickr.com) von jodage. Ist er dem Zackelfall nachempfunden oder nicht?

CC BY-ND 2.0

 

Das Plätschern des Wasserfalls

Neben dem Befreiungsmonument ist der Wasserfall im Viktoriapark die Hauptattraktion und ein beliebter Treffpunkt für verliebte Pärchen. Das Plätschern des Wassers hat eine beruhigende Wirkung und verleitet dazu, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. 1891 begannen die Bauarbeiten des künstlich angelegten Wasserfalls. Zwei Jahre später wurde die Kalksteinanlage in einer feierlichen Zeremonie erstmals in Betrieb genommen. Damit das Wasser herunterfließen kann, muss es mittels einer Pumpe auf den Kreuzberg hinauf gepumpt werden. Danach plätschert das Wasser 24 Meter den Hang herunter – rund 13.000 Liter in der Minute. Übrigens, der Wasserfall ist einem natürlichen Vorbild aus dem Riesengebirge nachempfunden. Die Region im heutigen Polen galt damals für viele Adlige und wohlhabende Berliner als ein Erholungs-Hot-Spot. Um welchen Wasserfall es sich genau handelt, darüber herrscht stillschwiegen. Doch vermutlich handelt es sich um den Zackelfall, der im heutigen polnischen Teil des Riesengebirges entspringt.

Ausflugsziel für die gesamte Familie

Der Viktoriapark ist das ideale Ausflugsziel für Groß und Klein. Die weitläufigen Liegewiesen laden zum Verweilen ein, für Kinder gibt es neu angelegte Spielplätze und einen kleinen Streichelzoo. Die verträumten Pfade sind perfekt für Verliebte und die zahlreichen Denkmäler und Skulpturen, wie die Bronzefigur “Der seltene Fang” vom Bildhauer Ernst Herter, ziehen Kunstliebhaber an. Wir hoffen, wir konnten Ihr Interesse für den Viktoriapark mit seinen zahlreichen Attraktionen wecken und Sie erkunden den Park schon bald auf eigene Faust!